Die Entdeckung der verbotenen Insel    – Pianosa öffnet sich für Taucher………

„Wer sich Pianosa nähert, dem springen die imposanten Mauern der ehemaligen Gefängnisanlage ins Auge. Die italienische Insel Pianosa, 14 Kilometer südlich der großen Schwester Elba und 26 Kilometer vom italienischen Festland entfernt, war jahrhundertelang Ort eines Hochsicherheitsgefängnisses, bis dieses 1998 geschlossen und die in den Nationalpark Toskanischer Archipel eingegliedert wurde. Seitdem kann die Insel wieder besichtigt werden. Nun wagt die Nationalparkverwaltung auch eine vorsichtige Öffnung der Gewässer für Taucher…..“  (Quelle: www.unterwasser.de).

…..und so kam es,

dass ich mich während eines Urlaubes im Juli 2015 auf Elba, in der altvertrauten Morcone-Bucht, bei der Tauchbasis Mandel-Diving-Center für eine dort angebotene Halbtagestauchausfahrt zur Insel Pianosa erkundigte.

Pianosa, die flache Insel rechts, fotografiert vom Massiv des Monte Capane in 2007. Im Hintergrund links Monte Christo.

Ursprünglich waren eigentlich keine Tauchunternehmungen geplant, da der diesjährige Urlaub im Zeichen einer Rundreise auf dem italienischen Stiefel stand. Begonnen in der Toscana nahe Montepulciano, weitergeführt auf der Halbinsel von Sorrent und an der Amalfiküste tief im Süden,  und beendet mit den letzten Tagen auf Elba, unserer zweiten Heimat. Doch das Angebot reizte, zumal ein Tauchgang bei der „Isola Pianosa“ aufgund ihrer Lage und der mystischen Vergangenheit einfach zu verlockend erschien.

Gesagt, getan….

Der sympathische Basisleiter Giacomo und sein Team zeigten sich unkompliziert und entgegenkommend, nach dem üblichen kurzen Prozedere mit den Tauchunterlagen konnte der letzte freie Platz auf dem Festrumpfschlauchboot für mich reserviert werden.

Am nächsten Morgen, es war der 15. Juli,  ging es los. Der Himmel zeigte sich wolkenlos, das Meer lag spiegelglatt da.

Flugs waren die Gerätschaften im Boot verstaut, der 250-PS-Außenborder konnte gestartet werden. Die Gruppe war multinational, sie bestand aus vier Deutschen, zwei  Norwegern und drei Italienern, zwei davon weiblichen Geschlechts, zuzüglich der Besatzung Giacomo und Emanuel.

Die Überfahrt war kurzweilig und angehnehm, die südliche Shilouette Elba’s begleitete uns von der Morconebucht über Capo Stella, Capo Fonza und Capo Poro. Majestätisch grüsste das Massiv des Monte Capane mit dem davor liegenden „Finger“ des Punto Fetovaia.

(Foto: Mandel-Diving-Center)

Plötzlich ein Aufschrei!

Über der spiegelglatten Oberfläche des Meeres konnte der elegante Gleitflug fliegender Fische bewundert werden; im Hintergrund zeigte sich Isola Monte Christo im Dunst, gemächlich zu uns herschauend.

Zwischenzeitlich war Pianosa in Blickweite gekommen, nach etwa 45 Minuten Gesamtfahrzeit konnte an der Boje SP 3, die nahe des nordöstlichen Ufers liegt, festgemacht werden.

Nach einem Briefing und der Gruppeneinteilung wurden die Geräte angelegt und flugs ging es ins glasklare Nass.

Wie von den Tauchgewässern um Elba gewohnt, herrschte auch hier eine sehr gute Sicht, nicht zuletzt bedingt durch das anhaltend schöne Wetter des Monats Juli 2015.

Die Unterwasserformationen und -gegebenheiten ähneln in vielerlei Hinsicht denen von Elba, sei es sowohl hinsichtlich Bewuchs, Steilwänden und Felsformationen, als auch dem „üblichen“ Fischbestand.

Aber dann zeigte sich, was versprochen worden war, die Dimensionen waren einfach größer; nach wenigen Minuten zog ein Barakudaschwarm vorbei, silbern glänzten die  Leiber im Sonnenlicht.

In der Tiefe lugten überall große Zackenbarsche hervor, gar nicht scheu, wie oftmals auf Elba beobachtet, sondern eher neugierig und interessiert an den luftblasenproduzierenden Fremdlingen in ihren dunklen Neoprenanzügen.

Und dann der Hammer: ein Adlerrochen-Pärchen „flog“ heran, schwamm minutenlang neben der Gruppe her, blieb aber dennoch unnahbar auf entsprechender Distanz.

Ein Dreiergespann Meerraben zog gemächlich seine Kreise, und dann kam wieder ein Adlerrochen „dahergeflogen“.

(Foto: Andre Szombathy)

Die gemächlichen Bewegungen dieser Kreaturen sind einfach faszinierend und begeisterten mich schon bei der allersten Begegnung im Roten Meer anno 2001.

Nach einer knappen Stunde mit vielfältigen Eindrücken ging es wieder an Bord. Während der Oberflächenpause wurde die Boje SP 2 angesteuert, die nahe der Inselhauptstadt liegt. Auf der Anfahrt war die eingangs erwähnte, mächtige Gefängnismauer sehr gut erkennbar.

Auch an diesem Tauchplatz zeigte sich die jahrzehntelange Abgeschiedenheit der Insel, jenseits von Fischerei-und Tauchgründen. Als Besonderheit waren hier „Luftvorhänge“ sichtbar, also eine Vielzahl von kleinen Gasperlen, die, wie an Schnüren aufgereiht, nebeneinander  vom Meeresgrund aufstiegen und sich im Sonnenlicht spiegelten. Es wird vermutet, dass es sich um aufsteigendes Methangas handelt.

Nach einer ausgiebigen Stunde unter Wasser war es nun an der Zeit, die Oberfläche aufzusuchen, abzurödeln und die Rückreise nach Elba anzutreten.

Und weil es Neptun an diesem Tag besonders gut meinte, schickte er als kleinen Gruß noch eine Gruppe Delphine vorbei, die uns auf der Rückfahrt eine Zeitlang begleiteten.

Fazit: Tauchen vor Pianosa entspricht von der Unterwasserlandschaft her dem Tauchen vor Elba, zumindest an diesen beiden Tauchplätzen. Faszinierend aber ist zum einen die Größe und Vielfalt der Lebewesen unter Wasser und zum anderen das Wissen, an der einst „verbotenen Insel“ getaucht zu haben.

Abschließend sei noch erwähnt, dass ich nach langer Suche einen Videospot im Web entdeckt hatte, der genau diese beiden Tauchgänge dokumentiert und erst 2 Tage vor Verfassung dieses Reiseberichts veröffentlicht worden war.

Dank an die Mittaucherin Giuliana Gillone für die Bereitstellung auf Youtube.