Zu Fuß auf den Monte Capanne; Mitwoch, 05. September 2007

Viele von uns kennen die Insel Elba als Tauchparadies.  Die zahlreichen Buchten und Strände laden zum Schwimmen und Schnorcheln ein, mit dem Boot hat man schnell die großartigen Tauchplätze und Steilriffe erreicht.

Und von annähernd allen Tauchplätzen ist ein Blick möglich zur höchsten Erhebung der Insel, dem Monte Capanne.

Dieser majestätische Berg ist in den Sommermonaten fast immer gegenwärtig, selten einmal ist sein Haupt in Wolken gehüllt.  Schon seit meinem ersten Urlaub auf der Insel (1996) hat es mich immer gereizt, eimal dort oben zu stehen, und über den toskanischen Archipel zu den umliegenden Inseln und dem nahen Festland zu schauen.

Zwölf Jahre und einige weitere Urlaube auf der Insel mussten vergehen, bis dieser Tag kam. Wir waren mal wieder in der Morconebucht auf Tauchurlaub, als eine Großwetterlage beste Sicht verhieß, aber nicht nur unter der Wasseroberfläche, sondern auch darüber. Trotzdem ließen sich weder die holde Gattin Bettina noch der Tauchkumpel  Enzo dazu überreden, mitzukommen, sodass die geplante Tour allein unternommen werden musste.

Frühmorgens um sechs Uhr ging es mit dem VW-Passat auf der Küstenstraße von Morcone über Capoliveri und Marina di Campo nach Pomonte, dem kleinen Dörfchen an der Südwestseite der Insel am Fuße des Monte Capanne.

Nach einem kleinen Frühstück in der örtlichen Bar, mit ausreichend Wasserflaschen im Rucksack, dem Wanderstecken zur Hand und gutem Schuhwerk an den Füßen, ging es los, und zwar von Meereshöhe an.

Es galt,  1019 Höhenmeter zu bezwingen, bis das Gipfelkreuz erreicht ist. Bereits jetzt war klar, dass es aufgrund des tollen Spätsommertages zu einem grandiosen Rundblick kommen würde, wenn das Ziel erst mal erklommen ist.

Die ersten beiden Stunden führten zunächst entlang des fast ausgetrockneten Bachlaufs,  dann vorbei an Weinbergen mit üppig behangenen Rebstöcken, und zuletzt durch schattenspendene Kastanienwälder.

Nach Erreichen der Baumgrenze wurde erstmals eine längere Rast eingelegt; beim Blick zurück erhob sich im Süden majestätisch Montecristo und davor war Pianosa, die ehemalige Gefängnisinsel scharfumrandet zu erkennen.

Nach der Rast rückte der  Gipfel immer näher, die Vegetation wich zurück, zuguterletzt galt es, die letzten hundert Höhenmeter am Kletterseil zu bezwingen.

Und dann war es geschafft: nach vierstündigem Aufstieg war die  Spitze des Monte Capanne erreicht und es bot sich ein überwältigender Anblick ringsum.

Die Ostküste Korsikas, von Bastia bis weit hinunter Richtung  Porto Vecchio schien zum Greifen nah.  Die Inseln Pianosa,  Montecristo, Giglio und Giannutri im Süden, Capraia und Gorgona im Norden lagen wie hingeworfene Steine im blauen Meer und die italienische Küste war bis weit hinauf Richtung Pisa zu sehen.

Und fast jedes Detail von Elba, vom Capo San Andrea über die Hafenstadt Marciana Marina, das Capo d’Enfola, die Hafeneinfahrt von Portoferraio, die Costa dei Gabbiani,  die Geminis, der Golfo Stella und das Capo Fetovaia lies sich ausmachen.

Eine Stunde war schnell vorüber und es galt abzusteigen, um wieder hinunter auf Meereshöhe zu gelangen, um die Rückfahrt in die Morconebucht  antreten zu können.

Auch hier bot sich immer wieder ein grandioser Anblick vom grünen Inselrücken über die roten Ziegeldächer der Häuser von Pomonte bis hinaus auf das tiefblaue Meer.

Kein Mensch kam beim Abstieg entgegen, umsomehr konnten Salamander, Eidechsen und allerlei anderes mediterranes Getier beobachtet werden.

Das krönende Erlebnis war die kurze Begegnung mit einem stolzen Widder, der noch kurz in die Linse der schnell erhobenen Kamera schaute, bevor er um die Ecke in der Tiefe der Felsregion verschwand.

Dieser Tag war ein Erlebnis ohnegleichen.

Für die Mitglieder und Freunde des TSCD steht über Pfingsten 2012 wieder eine einwochige Tauchfreizeit auf der Insel Elba heran.Wir werden mit Sicherheit wieder tolle gemeinsame Tage über und unter Wasser verbringen.

Und gerne würde ich diese Tour mit guten Freunden wiederholen.