Die flotte Westfälin hatte einst bei Ihrem Westfalen angeregt, mit ihr nach Menorca zu reisen. Gegen solche Anregungen kann der Westfale schlecht kontra argumentieren, also wurden 7 Tagen auf jener Insel gebucht. Natürlich wird dieser Bericht nicht diese schöne und ruhige Insel im Vordergrund stellen, sondern über die äußerst interessanten Tauchgänge berichten.

Bevor wir nach Menorca geflogen sind, haben wir Kontakt mit einer dort ansässigen Tauchbasis in Son Bou aufgenommen.Die Inhaber der Tauchbasis, Muriel und Joop, waren uns beiden sofort sympathisch. Wir haben schon im Vorfeld unsere Tauchplatzwünsche geäußert und nach Ankunft der Insel die Tauchgänge zugesagt.

Die Insel selbst ist eine Oase der Entspannung. Gott sei Dank hatte diese Insel dem krawalligen Bauboom der großen Schwester Mallorca nicht Schritt halten können. Daher sind die Hotelanlagen eher Apartments und in die Landschaft eingepasst.

1. Erster Tauchgang…. Ab ins türkis blaue Wasser (Punta des Nou Covus)

Es gesellte sich ein anderer Taucher zu uns. Niels aus Deutschland und dem Hannoverischen bemächtigt, war ebenso Gast. Er ist neben seinem Job bei der freiwilligen Feuerwehr als Rettungstaucher eingesetzt. Leider sind seine Einsätze oft eine Folge von tragischen Badeunfällen.

Der erste Tauchplatz wurde bei Punta des Nou Covus angesteuert. Der Tauchplatz und Einstieg musste schon erklettert werden. Denn das Umziehen geschah auf dem Parkplatz, der Tauchplatz lag einige Meter tiefer. Mit dem „Tauchgeraffel“ auf dem Buckel begann der Abstieg zum Einstieg. Die flotte Westfälin genoss den Damenbonus, denn Tauchguide Joop hat ihre Pressluftflasche zum Platz getragen. Der Westfale wäre auch gern in den Genuss gekommen, konnte aber den notwendigen Beweis seiner weiblichen Seite nicht erbringen.

Der Einstieg war zwar schlüpfrig, aber schon auf den ersten Metern wurde uns klar: Das wird ein spitzen Tauchgang! Wir sind schon oft im Mittelmeer unterwegs gewesen, aber die Sicht an jenem Felsen war an diesem Tag überragend. Unser Tauchguide Joop meinte nach dem Tauchgang etwas nüchtern, dass die Sicht an jenem Tag etwas mau gewesen wäre.

Wie bitte? Mau?
Von einer Klippe in 10m Tiefe konnte der Grund in bestimmt 25m Tiefe detailgetreu beobachtet werden.

Das Riff in seinem türkisblauen Wasser, ist sehr strukturiert. Es bietet sich optisch anders dar, als beispielsweise vor Elba. Die Riffbewohner sind alte Bekannte: Vom Meerjunker, Doraden bis Barrakuda waren alle dabei.

Ein neuer Riffbewohner hatte sich aber uns noch vorgestellt: Die gelbe Sternschnecke! Ein recht dicker Brummer und interessante Erscheinung. Im ersten Tauchgang haben wir ein Riff umrundet. Am Ende kletterten wir über die rutschigen Steine ans felsige Ufer, ließen Flossen und Bleigurt am Ufer und kletterten zurück zum Parkplatz. Dort haben wir unsere Flaschen gewechselt und einen kleinen Snack zu uns genommen.

Die Sonne tat ihr Gutes und brutzelte uns wieder warm. Danach ging es zu unserem zweiten Tauchgang.

2. Der zweite Tauchgang…. Flache Bucht, Releax as relax can…(Punta des Nou Covus)

Wieder zurück zu unserer ersten Ausstiegsstelle stiegen wir zu unserem „Plausch-Tauchgang“ der ersten Güte hinab. Tauchtiefe um die 12 Meter, tolle Sicht und die kleinen Minigrotten, die wir durchquerten, machten auch diesen Tauchgang liebenswert. Selbst eine freischwimmende Muräne querte unseren Weg.

Leider war der Westfale mit seinem Kamera-Gedöhns in Form eines Marshalstabs in der Vergangenheit schon mal reaktionsschneller gewesen. Bis er Tiefenschärfe, Winkel, Helligkeit und den Einschaltknopf der Kamera gefunden hatte, verschwand die Muräne grinsend in den Felsspalten.

Tauchen2_04Zum Schluss noch ein recht kapitaler Zackenbarsch und schon waren die nächsten 50 Minuten vorbei. Schade!

Da wir mit einem Mietwagen separat zum Tauchplatz gefahren sind, verabschiedete sich Joop und Niels von uns mit einem

„…. Einfach gerade aus, dann links, einen fallen lassen und schon seit ihr in eurem Appartement…“

In der Tat gilt diese Wegbeschreibung für Trapper, Dschungelforscher und Paris-Dakar Teilnehmer, aber für den durchschnittsversierten Navi-Sauger und Frühgelbbremser war es eine echte Herausforderung.

Die Straßen auf der Insel mit seinen netten Einbahnstraßen, Kreisverkehren und Sackgassen sind eine echte Kampfansage, wenn das Fahrzeug eben keinen Navi hat. Hier können wir nur empfehlen, einem Taucherlehrling mit schwerer Orientierungsprüfung vor der Brust, Diesen vorher auf Menorca von der Stadt A, Siedlung 1 nach Stadt B, Siedlung 2 zu schicken. Dann ist der Orientierungstauchgang bei Nacht und ohne Lampe in der Erzgrubb bei null Sicht ein Klacks.

Aber, nachdem die Westfälin den Einschaltknopf des kleinen GPS-Senders auf dem „Schmartphone“ eindeutig aktivieren konnte, glückte die Fahrt zurück.

3. Tauchgang, Die Höhle…Port d’En Gil

Muriel, die Chefin der Tauchbasis ist schon eine liebenswerte und geschickte Geschäftsfrau. Sie bot uns noch einen dritten Tauchgang an, dem die Westfalen Gott sei Dank auch zugesagt hatten.

Die Tropfsteinhöhle von Port d’En Gil stand auf dem Plan. Die Portokasse war zwar schon arg gebeutelt und die flotte Westfälin konnte die ansässigen Schuhläden deshalb nur von außen bewundern, aber dieser Besuch in der Grotte schlug jedes Schuhwerk aus dem Felde!

In einer Bucht, 10 Minuten mit dem Boot von der Höhle entfernt, stiegen wir in das Schlauchboot. Ingo fuhr die Westfalen, Niels, mit dem wir zwei Tage zuvor getaucht haben und zwei jungen Briten, hinaus.

Die Felsformation mit dem Torbogen war schnell erreicht und es ging ab ins Wasser. Wieder bot sich bei exzellenter Sicht die schöne zerklüftete Riffformation. Joop führte unsere Gruppe zu dem Eingang der Tropfsteinhöhle in 14 Meter Tiefe. Diese Höhle wurde erst vor wenigen Jahren zufällig entdeckt.

Der Eingang und der Weg zur Höhle bietet viel Platz zum Rangieren. Dennoch: Die Kunst des Tarierens sollte in dieser Höhle beherrscht werden. Bevor es in die dunkle Röhre ging, konnten wir die Bekanntschaft mit einem Flughahn (der nicht knurrende Bruder des Knurrhahns) machen, der auf seinem Felsen ruhte. Dieser Bursche (oder Burschin) zeigte seine riesigen Brustflossen und äugte zu uns herüber! Danach ging es hinein in die Finsternis.

Unser Tauchguide Joop führte uns durch den Kanal. An einer Stelle mischte sich das Salzwasser mit eindringendem Süßwasser, so dass die Sicht seltsam eingetrübt worden ist. Wie an einem heißen Sommertag flirrte nicht Luft aber das Wasser.

Die Gruppe tauchte in der Höhle auf.
Dann zeigte sie sich! Die Tropfsteinhöhle! Was für ein Naturbauwerk!

Kurz danach gab es in der Welt der Apps, Meetings und strukturierter Ordnung die Möglichkeit, in tiefer Demut zu verfallen. Was für ein grandioses Schauspiel. Im Schein der Lampen, die die in völliger Dunkelheit liegende Höhle erleuchteten, zeigten sich die Stalagmiten und Stalaktiten, die über viele tausende von Jahren gewachsen sind. An der Oberfläche treibend leuchteten die Taucher die Decke ab.

Es half nichts, Die Tauchgruppe musste sich für den Rückweg fertig machen. Joop führte die Gruppe wieder sicher heraus. Beeindruckend war Weg ins offene Meer. In der tiefen Schwärze der Höhle eroberte sich der Ausgang in seinem immer stärker werdenden tiefblauen Glanz seinen Platz zurück.

Zu schnell ging es über die Riffe und der klaren Sicht wieder zum Boot und noch schneller zurück zum Anleger.

 

Schade! Wir sitzen nun wieder in unserem Schwarzwald. Das ist sehr schön, aber der Blick zurück an die schöne Unterwasserwelt, die uns Joop und Muriel gezeigt haben, lässt schon ein wenig Wehmut aufkommen. Aber nur ein wenig.

Nun ja, der Blick nach vorn in Richtung unserer Seen und das Rotes Meer im November ist da wieder ein wenig versöhnlich.